Dublin – Berlin

Ich weiß nicht so recht was ich mit diesem letzten Tag anfangen soll, mein Flug geht um 18h und auschecken muss ich um 10h. Das Wetter ist mies und ich habe eigentlich keine Lust, mein GepĂ€ck hierzulassen um dann spĂ€ter nochmal zurĂŒckfahren zu mĂŒssen. Nach dem FrĂŒhstĂŒck hat es aber aufgehört zu regnen und so mache ich mich doch nochmal auf den Weg. Ich fahre zum Fluss und laufe diesmal Richtung Osten auf den Hafen zu. Bis dahin ist es allerdings zu weit und ich drehe an der Samuel Beckett Bridge (in Harfenform) um. An einem Pier liegt der Nachbau der Jeanie Johnston, einem Segelschiff aus dem 19. Jahrhundert, mit dem damals Aussiedler nach Amerika gereist sind und mache eine gefĂŒhrte Tour mit. Die allerdings nicht so interessant ist, die sehr gute FĂŒhrerin erzĂ€hlt zwar viel ĂŒber die große Hungersnot im 19. Jahrhundert, ich erfahre aber nicht viel, was ich nicht schon wusste.

Zum Abschied gehe ich nochmal zur Bison Bar und um diese Uhrzeit bekomme ich natĂŒrlich sofort einen Tisch. Ich bestelle ein Brisket Sandwich mit Onion Rings und ich ĂŒbertreibe nicht wenn ich sage, dass das mit das beste Fleisch ist, das ich je gegessen habe! Die Rinderbrust wird angeblich 13 Stunden im Smoker gegart und ist danach so zart, dass sie auf der Zunge schmilzt. Ich wĂŒrde mich am liebsten drin wĂ€lzen!

Ein wĂŒrdiger kulinarischer Abschluss meines Dublinbesuchs. Ich hole meinen Rucksack beim B&B ab und fahre gemĂŒtlich mit dem Bus zum Flughafen. Ich bin natĂŒrlich viel zu frĂŒh da und darf noch knapp zwei Stunden warten. Die Zeit nutze ich um noch einen letzten Cider zu trinken, zum horrenden Flughafenpreis von 6,95€. Der Flughafen ist ĂŒbrigens toll, sieht nagelneu aus, alles ist blitzblank sauber und natĂŒrlich ist alles, Hinweisschilder etc. grĂŒn. 10 Minuten vor Boarding wird mein Name ausgerufen und ich frage mich, ob ich im falschen Film bin; wie sich herausstellt, ist mir beim Proviant kaufen mein Ausweis aus der Tasche gefallen und ich darf ihn mir abholen. GlĂŒck gehabt!

Eine letzte Fußnote: als ich zuhause meinen Rucksack auspacke, finde ich eine BroschĂŒre ĂŒber die Familie der FledermĂ€use. Offensichtlich aus dem Naturkundemuseum, ich habe nur keinerlei Ahnung, wie das Ding in meinem GepĂ€ck gelandet ist.

Dublin 2

Von wegen Sonnenschein, es ist grau, kalt und hĂ€sslich draussen. Das stand so nicht im Prospekt. Mir wird langsam klar was fĂŒr ein riesiges GlĂŒck ich mit dem Wetter auf dem Kerry Way hatte, denn bis auf den einen Tag Richtung Sneem hatte ich nur einige kurze Schauer, ansonsten meistens Sonne. Egal, ich frĂŒhstĂŒcke und mache mich auf den Weg.
Die Wirtin, eine etwas beleibte Ă€ltere Dame, ist großartig: Jeder wird mit ‚Sweetheart‘ oder ‚Honey‘ angeredet, als ich gestern abend zurĂŒck komme, steht sie im Nachthemd im Flur und tanzt und singt zu Sinead O’Connor.

Heute schaue ich mir zuerst Dublin Castle an, das den Britischen Royals als Residenz diente, wenn die gerade mal zu Besuch waren. Heute beinhaltet es u.a. ein Kongresscenter und wird zu offiziellen AnlÀssen wie Staatsbesuchen genutzt. Entsprechend pompös ist die Ausstattung, die königlichen SchlafgemÀcher sind heute leider geschlossen. Auf dem Hof steht R2D2 rum.

Ich komme an der Jameson Distillery vorbei, schaue aber nur kurz rein und gehe dann weiter weil ich eine Stunde auf die nĂ€chste FĂŒhrung warten mĂŒsste.
NĂ€chster Stop, da es mittlerweile wieder regnet, ist das Nationalmuseum, Abteilung History and Decorative Arts. Das ist riesig, ich schaue mir einen Bruchteil an, eine Ausstellung ĂŒber irische Soldaten und wo die ĂŒberall gekĂ€mpft haben und schon sind fast zwei Stunden rum. FĂŒr den Rest nehme ich mir weniger Zeit und zurĂŒck ins Stadtzentrum nehme ich den Bus.

Museum macht hungrig, also esse ich erstmal Fish & Chips bei Beshoffs. Ich kaufe noch ein paar Mitbringsel und fahre dann wieder zurĂŒck und ruhe mich aus. Ich will nĂ€mlich vermeiden dass es mir wie die letzten beiden Tage geht und ich um 21h schon bettreif bin. Heute abend will ich mir Dublin auch mal im Dunkeln anschauen.

Meinen Plan, in der Bison Bar geiles BBQ zu essen kann ich vergessen, es ist Freitag Abend und die Chance einen Tisch zu bekommen ist gleich Null. Ich schaffe es noch nicht mal mir einen Drink zu bestellen, die Schlange ist mir zu lang.
Ich versuche es bei der Konkurrenz von PittBro’s und da habe ich mehr GlĂŒck. Ich beherrsche mich und bestelle nur eine kleine Portion Pulled Pork mit Mac&Cheese. Eine weise Entscheidung, die Menge reicht vollkommen aus. Verdammt lecker ist es auch und ausser einem kleinen Zwischenfall, bei dem ich mich, den Tisch und die Wand mit der Spezialsauce vollspritze, gibt es nichts zu bemĂ€ngeln!

Jetzt ist leider mein nagelneues Guinness-Longsleeve mit BBQ-Sauce vollgesaut, da ich aber im Urlaub bin ist es mir herzlich egal wie ich aussehe und ich spaziere kreuz und quer durch den Temple Bar District und schaue mir verschiedene Musiker an, die ausnahmslos sehr gut sind. Irgendwann ist die Speicherkarte meiner Kamera voll und ich fahre zurĂŒck, nicht ohne vorher nochmal an die heiligen GemĂ€uer des Trinity College zu pinkeln.

Dublin 1

Ich bin froh, dass ich meine GefĂ€ngniszelle verlassen kann, auf das 8 € teure FrĂŒhstĂŒck verzichte ich. Ich will mir einen 3Tage-Touristenpass fĂŒr die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen, das erweist sich allerdings als schwierig: die Tante von der Touri-Info schickt mich zur Post, dort schickt man mich zum Supermarkt, dort erzĂ€hlt man mir, dass es den Pass nicht mehr gibt. Also kaufe ich mir eine aufladbare Karte und der Typ bescheisst mich, denn spĂ€ter im Bus merke ich, dass nur 10 € auf der Karte sind und mir hat er 15 abgezogen. Arschloch. Ich hoffe seine Kinder werden vom Bus ĂŒberfahren.

Ich ziehe in meine neue luxuriöse Unterkunft um, die ist ziemlich weit ausserhalb, in einem Vorort im SĂŒden, ich habe bei der Auswahl von zuhause einen Fehler gemacht. Jetzt stört mich das aber nicht, ich gehe davon aus dass es dort schön ruhig ist. 20 Minuten Busfahrt dauert es und bevor ich eintreten darf, muss ich mich zuerst vom Hund begrĂŒĂŸen/besabbern lassen, sehr sympathisch. Die Wirtin gewinnt dann sofort mein Herz, indem sie mich fragt, ob ich denn Student sei und mich auf 25 schĂ€tzt. FUTTER FÜRS EGO.

Wie angekĂŒndigt regnet es und deswegen fĂŒhrt mich mein Weg zuerst ins Nationalmuseum, Abteilung ArchĂ€ologie. Hier gefĂ€llt es mir, das GebĂ€ude selbst ist schon der Hammer mit tollen Mosaiken auf dem Boden. Die Ausstellung zeigt Exponate von prĂ€historischer Zeit bis zum Mittelalter, AlltagsgegenstĂ€nde, Schmuck, mehrere Moorleichen, ein Wikingergrab und vieles mehr. Auch hier sieht man wieder, dass es eine vielfĂ€ltige Kultur gab, bis im 8./9. Jahrhundert die Christen kamen und alles gleichgeschaltet haben.

Als ich rauskomme schĂŒttet es dermassen, dass ich mich kurzerhand in der National Library unterstelle. Anschauen tu ich mir nichts, ich hab mittlerweile Hunger, schließlich hab ich das FrĂŒhstĂŒck ausfallen lassen. Es hört nicht auf zu regnen, also sprinte ich ins nĂ€chste Cafe und futtere erstmal ein riesiges Baguette. Lustig ist, dass es sich um einen super gesunden Öko-Laden handelt, mein Baguette ist belegt mit HĂ€hnchen und GemĂŒse, alles organic natĂŒrlich und was gibt es als Beilage? Nicht etwa einen Salat, sondern Kartoffelchips. Ich liebe es!

NĂ€chstes Ziel ist das Guinness Storehouse, ein Pflichtbesuch sozusagen. Wie zu erwarten ist, ist der Laden gerammelt voll was mir den Besuch etwas vermiest. Wie Bier gebraut wird weiss ich, ich lerne also nichts neues, ist aber sehr gut gemacht, die wissen wie sie ihr Produkt zu vermarkten haben. Am meisten fasziniert mich aber das GebĂ€ude selbst und die Ausstattung, ĂŒberall stehen alte GerĂ€tschaften rum, Pumpen, Rohre und was weiss ich nicht alles. Tolles Ambiente. Klar dass ausgerechnet hier der Akku meiner Kamera schlappmacht. Grmpf!
Nach dem unvermeidlichen Pint Guinness im obersten Stock mit Rundumsicht auf das verregnete Dublin ist Schluss und ich bin froh, den Menschenmassen zu entkommen.

Das Pint sorgt in Verbindung mit dem wenigen was ich heute gegessen hab dafĂŒr, dass ich keine Lust auf das Museum of Modern Art habe, sondern zurĂŒck zur Unterkunft fahre und gleich noch einen Cider hinterherkippe. Damit ist der Tag gelaufen.

Kilkenny – Dublin

Dank der diversen Biere gestern verschlafe ich und beschliesse sofort, einen spĂ€teren Zug nach Dublin zu nehmen. Die zusĂ€tzliche Zeit erlaubt mir auch, das fette FrĂŒhstĂŒck mitzunehmen, nach dem ich bis heute abend bedient sein dĂŒrfte. Nachdem ich das Essen etwas anverdaut habe, spaziere ich ganz gemĂŒtlich zum Bahnhof und komme knapp 1,5 Stunden spĂ€ter pĂŒnktlich in Dublin an. Bei strömendem Regen.

Ich finde mich gleich zurecht und beziehe eine Tramfahrt und 5 Minuten Fussmarsch spĂ€ter mein Zimmer mit den Ausmaßen einer GefĂ€ngniszelle. Macht nichts, ist ja nur fĂŒr eine Nacht, morgen ziehe ich in die bessere Unterkunft um, die ich schon von zuhause gebucht habe. Die ist zwar etwas ausserhalb, dafĂŒr hoffentlich ruhig.

Ich mache mich gleich auf zu einer ersten Runde, die mich zuerst zum Campus des Trinity College fĂŒhrt. Na gut, die GebĂ€ude sind nicht besonders toll, aber immerhin hat hier schon Erwin Schrödinger gelehrt und zu den Studenten zĂ€hlten z.B. James Joyce und Oscar Wilde. Ein FĂŒhrer erklĂ€rt seiner Gruppe gerade was ein Dandy war: „today you would call him a hipster.“

Danach laufe ich einmal quer durch Stephen’s Green, ein Park mitten in der Stadt und schaue mir das Naturkundemuseum an, der Eintritt ist, wie bei den meisten Museen hier, frei. Jetzt reichts erstmal, ich begebe mich in meine Zelle, mach mir ein Cider auf und lege die Beine hoch.

Zwei Stunden spĂ€ter bin ich wieder halbwegs fit, bleibe aber in der nĂ€heren Umgebung des Hostels und spaziere nur ein wenig planlos durch die Gegend, ich habe ja noch drei Tage Zeit. Die Wettervorhersage verheisst Regen satt fĂŒr morgen, ich werde mich also auf die Museen konzentrieren, fĂŒr die beiden restlichen Tage sieht es wesentlich besser aus, da kann ich mir dann alles von außen anschauen.

Kilkenny

Ich bin gestern ja sozusagen mit den HĂŒhnern schlafen gegangen und so bin ich um 6:30h wach. FrĂŒhstĂŒck gibts um die Uhrzeit natĂŒrlich noch nicht, also gammele ich noch rum bis um 8. Der Himmel ist blau, ich hoffe das bleibt auch so.
Bingedrinking scheint auch hier ĂŒblich zu sein, gestern abend liegt ein MĂ€del gegenĂŒber auf dem BĂŒrgersteig und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Ihr bedauernswerter Freund kĂŒmmert sich um sie, es dauert eine gute Stunde bis sie von den wenig begeisterten Eltern abgeholt werden.

Ich halte mich beim FrĂŒhstĂŒck zurĂŒck und gehe bei großartigem Wetter los. Punkt 9:00h bin ich am Schlosspark, gerade werden die Tore geöffnet und ich habe, zumindest kurz, den Park fĂŒr mich alleine. Eine halbe Stunde spĂ€ter öffnet auch Kilkenny Castle. Das Schloss/die Burg ist seit dem 13. Jahrhundert im Besitz der Familie Butler, war irgendwann ziemlich runtergekommen und wurde seit den 1930ern aufwendig restauriert. Drinnen darf man leider nicht fotografieren, sehr schade, das ist nĂ€mlich alles sehr eindrucksvoll. Gut dass ich so frĂŒh dran bin, denn kaum bin ich wieder draussen kommen die Japaner. In Scharen.

Ich marschiere kreuz und quer durch die Stadt, schaue mir alle möglichen alten GemĂ€uer an und klettere auf den Turm der St. Canice Cathedral. Oben habe ich eine tolle 360Âș – Sicht, zumal keine einzige Wolke zu sehen ist. Gegen 14:00h gehe ich zurĂŒck ins B&B wo ich prompt einschlafe und zwei Stunden spĂ€ter ziemlich zerknautscht aufwache.

Der gemĂŒtliche Teil des Abends beginnt mit einem Guinness in angeblich Kilkennys Ă€ltestem Pub, welches es seit Mitte des 18. Jahrhunderts gibt. Guinness deswegen, weil es erstaunlicherweise hier nicht in allen Pubs Kilkenny gibt. Danach esse ich bei ‚Matt the Millers‘ ein Guinness-Stew und hier bekomme ich dann auch ein Kilkenny dazu. Ausserdem Livemusik die angenehm unaufdringlich ist. Das Essen ist ok, das Stew in Waterville war besser, trotzdem erklĂ€re ich den Laden zu meinem Favoriten, denn zum ersten Mal in Irland muss ich nicht auf die Straße zum rauchen, hier gibt es einen Raucherraum. Der zudem noch klasse dekoriert ist, hier bleibe ich fĂŒr den Rest des Abends!

Kenmare – Kilkenny

Maud, so heisst meine entzĂŒckende Gastgeberin, tischt mir ein feines FrĂŒhstĂŒck auf, die Teekanne aus Blech hat einen gehĂ€kelten Überzieher. Großartig! Auf dem Weg zur Haltestelle hĂ€ngt sich ein Hund an meine Fersen und möchte doch glatt mit mir in den Bus einsteigen. Ich habe aber schon einen Hund und deswegen muss er leider hier bleiben. Ich steige also alleine in den Bus nach Killarney und komme gegen 9:30h dort an. Ich verabschiede mich von Daniel, der gleich weiter nach Limerick fĂ€hrt. An der Busstation lĂ€uft uns Christian ĂŒber den Weg, der gerade aus der anderen Richtung angekommen ist. Kerry ist ein Dorf.

Ich mache kurz Station in einem Cafe und sitze dann im Bus Richtung Kilkenny, wo es kostenloses Wlan gibt. Respekt! So buche ich mir wĂ€hrend der Fahrt in Kilkenny ganz gemĂŒtlich ein zentrales B&B und versorge mich mit Infos, was ich mir dort alles anschauen will. Ich liebe mobiles Internet!

Nach zweimaligem Umsteigen lande ich pĂŒnktlich und merke sofort dass es mir hier gefĂ€llt. Kilkenny ist ein kleines StĂ€dtchen mit einem toll erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern. Es gibt jede menge enger GĂ€sschen, Burgen, Kirchen etc. Ich beschliesse, zwei NĂ€chte zu bleiben, so kann ich heute abend gemĂŒtlich ausruhen und habe morgen den kompletten Tag um mir alles anzuschauen. Danach werde ich nach Dublin fahren, fĂŒr die zusĂ€tzliche Nacht buche ich gleich noch ein Hostel, dann muss ich mich ab jetzt um nichts mehr kĂŒmmern.

Zuerst mach ich große WĂ€sche und zu mehr als einem kurzen Spaziergang reicht es dann auch nicht mehr, die letzte Woche steckt mir in den Knochen. Zur Abwechslung schaue ich Fernsehen und drinke dazu ein paar Cider. Zuerst Big Bang Theory und danach irische Sitcoms auf GĂ€lisch.

Sneem – Kenmare

Trotz der viel zu weichen Matratze schlafe ich wie ein Stein fast 10 Stunden am StĂŒck. Das FrĂŒhstĂŒck ist lausig, wenn man bedenkt dass das die bisher teuerste Unterkunft ist. Egal, gegen 9:00h mache ich mich auf den Weg zur letzten Etappe, ich werde von Kenmare aus direkt mit dem Bus nach Kilkenny fahren. Und zum Abschluss wird es nochmal richtig schön, das Wetter ist perfekt und die Strecke ist abwechslungsreich. Durch den gestrigen Regen sind allerdings große Teile ziemlich matschig. Ich sinke stĂ€ndig bis zum Knöchel in den Schlamm ein und muss dann aufpassen dass beim Rausziehen nicht der Stiefel steckenbleibt. Das ist anfangs spassig und macht lustige GerĂ€usche, nervt aber beim 100ten mal und drĂŒckt das Tempo.

Trotzdem macht es mir heute richtig Spaß, auch wenn ein Teil der Strecke wegen Waldarbeiten nicht begehbar ist und der Wanderer umgeleitet wird. Mein WanderfĂŒhrer beschreibt ausgerechnet dieses StĂŒck als das schönste der Etappe. D’oh! Nach gut 20 Kilometern habe ich genug, zumal der Kerry Way ab hier erstmal ziemlich lange an der N70 entlang fĂŒhrt und spĂ€ter noch ein heftiger Anstieg folgt. Also stelle ich mich wieder mal an die Straße und halte den Daumen raus. Heute ist es ein altes Ehepaar was mich mitnimmt, die beiden sind nicht sonderlich gesprĂ€chig, was mich auch nicht stört.

Ich lande also in Kenmare, mit ca. 4.000 Einwohnern eine der grĂ¶ĂŸeren Ortschaften und, wenn man den Einheimischen glaubt, im Gegensatz zu Killarney die wahre ‚Hauptstadt‘ von Kerry. Zumindest rennen nicht ganz so viele Touristen rum, trotzdem ist das StĂ€dtchen recht voll. SehenswĂŒrdigkeiten gibt es keine, der Ort selbst ist niedlich. Am Abend esse ich einen großartigen Burger und falle danach direkt ins  Bett. Nach Kilkenny zu kommen ist garnicht so einfach, zumindest von hier aus. Ich werde also morgen frĂŒh erstmal nach Killarney fahren und dann sehe ich weiter.

Untergekommen bin ich im Rose Cottage bei einer lustigen alten Dame, das Zimmer ist voller Nippes und Tand, das Wlan-Passwort ist ‚littleflower‘. Allerliebst.

Caherdaniel – Sneem

Als ich aufstehe scheint die Sonne. Auch als ich gegen 9:00h aufbreche scheint die Sonne. Als ich ca. eine halbe Stunde unterwegs bin fĂ€ngt es an zu regnen und hört nicht mehr auf. Das letzte was ich mir ohne Regenschleier anschaue ist ein alter Friedhof, danach sehe ich nicht mehr viel. Dementsprechend wenig kann ich ĂŒber die Etappe berichten, ich kneife die Augen zu und marschiere weiter, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, mich mal 5 Minuten unterzustellen und kurz Pause zu machen. Keine Chance. So laufe ich stoisch weiter und lande nach 4,5 Stunden ununterbrochenem durch den Regen marschieren in Sneem. Dort steuere ich das allererste Bed and Breakfast an und nehme ein Zimmer, mit 45,-€ ziemlich teuer, ist mir aber in dem Moment egal.

Eine Stunde spĂ€ter bin ich sauber, trocken und habe ein Cider am Hals, so sieht die Welt schon wieder besser aus. Unnötig zu erwĂ€hnen, dass kurz nachdem ich eingecheckt habe die Sonne rauskommt. Allerdings nur fĂŒr eine kurze Zeit, dann regenet es wieder. Daniel ist auch da, 5 Minuten vor mir angekommen, wie mir der Wirt mitteilt: „there is another soaking wet german lad, he arrived a couple of minutes ago“.

Die Wettervorhersage fĂŒr morgen sieht gut aus, aber erstmal abwarten. Ich ĂŒberlege mir, ob ich die letzte Etappe, von Kenmare nach Killarney, auslassen soll, da sie zu einem großen Teil der ersten Etappe entspricht. Da ich ausserdem die beiden eingeplanten Puffertage nicht genutzt habe, wĂŒrde ich so drei zusĂ€tzliche Tage gewinnen und könnte mir noch irgendeine andere Stadt anschauen.

Nach dem Abendessen (Fish and Chips) hat es endlich aufgehört zu regnen und ich erkunde den Ort. Irgendwie scheinen die hier keine einheimischen Promis zu haben, vor dem Restaurant steht ein Gedenkstein fĂŒr Charles de Gaulle. Wieso auch immer. Viel mehr gibts nicht, noch eine Statue fĂŒr irgendeinen Wrestler und die ĂŒblichen diversen Pubs. Einigermaßen eindrucksvoll ist aber der River Sneem, der mitten durch den Ort fließt und der dank der heutigen RegenfĂ€lle ziemlich angeschwollen ist.

Großartig ist auch der Inhaber des örtlichen Ladens, ein wĂŒrdiger Ă€lterer Herr namens D.J. O’Sullivan, der sich meine Artikel in etwa 2 Sekunden anschaut und dann ohne eine Mine zu verziehen sagt „6 Euros please“. Ich hab nachgerechnet, stimmt bis auf den Cent.

Waterville – Caherdaniel

Heute morgen bin ich schlauer, ich esse den Berg aus Eiern und Bacon nur halb auf und bin so in der Lage aus Waterville rauszulaufen statt zu rollen. Trotz der miesen Wettervorhersage scheint die Sonne und der Weg ist angenehm, der Tag Pause hat mir gut getan.

Es geht immer in der NĂ€he der KĂŒste Richtung Osten, an diversen Farmen und einem Golfplatz vorbei, dabei stetig nach oben. Nach einer guten Stunde ĂŒberquere ich mal wieder die N70 und nach einem kurzen und schmerzhaften Aufstieg habe ich den höchsten Punkt der Etappe erreicht. Von hier oben habe ich einen großartigen Blick, halte mich aber nicht lange auf, weil mich der Wind wieder fast umschmeisst.

Danach geht es langsam bergab, ĂŒber Felder und durch diverse eingezĂ€unte Wiesen, wo ich unter anderem Bekanntschaft mit einer aufdringlichen Schafherde mache, die mich offensichtlich zu ihrem AnfĂŒhrer wĂ€hlt. Die komplette Herde folgt mir auf Schritt und Tritt. Ein Ă€hnliches Erlebnis hatte ich schonmal mit einer Herde KĂŒhe in Island. Ich erklĂ€re ihnen, dass ihre Zeit noch nicht gekommen ist, sie aber bald mit mir die Weltherrschaft ĂŒbernehmen werden.

Irgendwann als ich kurz umkehre, weil ich nicht sicher bin ob ich noch richtig bin, kommt mir Daniel entgegen, der wohl kurz nach mir losgelaufen ist. Wir gehen die letzten Kilometer gemeinsam und kommen dann in Caherdaniel an, einem winzigen Ort, der aus vielleicht 20 HĂ€usern besteht. Ich ĂŒberlege, ob ich noch zwei Kilometer weiter zum Campingplatz gehen soll, entscheide mich aber dagegen, da sich der Himmel zumacht und es merklich kĂ€lter geworden ist. Ich checke im hiesigen Hostel ein, was eine gute Idee ist: zum einen ist das Hostel entzĂŒckend und was noch wichtiger ist, kaum habe ich eingecheckt, fĂ€ngt es an zu regnen und hört bis ich ins Bett gehe nicht mehr auf. Das erste was die Wirtin macht, ist in der Diele, wo unsere Schuhe stehen, ein RĂ€ucherstĂ€bchen anzuzĂŒnden.

Daniel und ich sind die einzigen GĂ€ste, spĂ€ter kommt noch Christian, der eigentlich die nĂ€chste Etappe gleich dranhĂ€ngen wollte, dann aber vom Regen ĂŒberrascht wird und umdreht. Die Wirtin macht ein Torffeuer im Kamin an und es wird richtig gemĂŒtlich. So hat auch keiner mehr Lust, auf ein Bier ins Pub zu gehen.
Sollte es morgen immer noch so regnen, bleibe ich entweder hier oder fahre mit dem Bus weiter!

Caherciveen – Waterville

In der HostelkĂŒche ist es mir am Morgen viel zu voll, so dass ich das FrĂŒhstĂŒck kurz halte und mich gegen 9:00h aus dem Staub mache. Ich habe bereits gestern festgestellt, dass der Bus nach Waterville erst um 16:30h fĂ€hrt, also marschiere ich zum Ortsausgang und halte den Daumen raus. Auch diesmal stehe ich keine 5 Minuten bis ich mitgenommen werde. Heute ist es ein Typ in meinem Alter in Arbeitsklamotten, die Unterhaltung klappt ganz gut, ich muss nicht bei jedem zweiten Satz nachfragen. Auch er gibt mir Tips wo ich in Waterville gut essen kann und welches sein bevorzugtes Pub ist. Sehr freundlich!

Ich steige im `Bay View Hotel` ab, ein ziemlich großes, herrlich heruntergekommenes Haus mit endlosen Korridoren und keinen GĂ€sten ausser mir. Erinnert mich an das Overlook Hotel aus Shining. Großartig!

Ich verbummele den Tag mit am Strand rumlaufen, lesen und Cider trinken. Dummerweise ist der einzige Geldautomat im Ort kaputt und mein restliches Bargeld erlaubt es mir nicht, heute abend was essen zu gehen. 5 Minuten nach dieser ernĂŒchternden Feststellung finde ich doch tatsĂ€chlich 20,-€ auf der Straße vorm Hotel. Um das zu feiern kaufe ich mir sofort noch einen Cider.

Die Attraktionen von Waterville sind schnell abgehakt: Es gibt eine Statue von Charlie Chaplin, der hat nĂ€mlich hier oft und gerne Urlaub gemacht. Dann gibts noch eine Statue von Mick O’Dwyer, das war glaub ich ein lokaler Fußballheld. Das wars. Der Ort ist aber extrem schön, zieht sich entlang der Ballinskelligs Bay, in etwa jedes zweite Haus hat Meerblick.

Die Pause tut mir gut, ich hab jetzt auch wieder richtig Lust aufs wandern morgen. Ich habe die Wahl zwischen einer lĂ€ngeren Route durchs Land, oder eine kĂŒrzeren an der KĂŒste entlang, ich werde natĂŒrlich die kurze nehmen. Das sind knapp 15 Kilometer, ich kann morgen also ausschlafen.

SpĂ€ter treffe ich Daniel, was mittlerweile schon Routine ist und wir berichten uns gegenseitig. Ich habe offensichtlich nicht allzuviel verpasst, die Etappe war wohl sehr anstrengend und nicht besonders eindrucksvoll. Ich laufe noch ein wenig planlos durch die Gegend, trinke noch ein Cider am Strand und mache mich spĂ€ter auf, die gefundenen 20 € in Fisch umzuwandeln.

Es wird allerdings kein Fisch, sondern Irish Stew, was verdammt lecker ist. Dann noch drei Guinness mit Daniel, der mir schon wieder ĂŒber den Weg lĂ€uft und ich hab die nötige Bettschwere. Die Wettervorhersage verheisst nichts gutes, ich darf mich auf Regen einstellen. Eigentlich hatte ich fĂŒr morgen Camping geplant, da der Platz in Caherdaniel zu den besten in Irland gehören soll, aber wenn ich nass bin werde ich doch lieber ein Zimmer nehmen. Mal sehen.