St. Petersburg – Berlin

Vom Heimreisetag gibt es wenig zu berichten, ich schaffe es, rechtzeitig aufzustehen und bin dann gegen 6:45h am Flughafen. Die Ausreise geht schnell, der Beamte lacht sich kaputt, als er sich meinen Pass anschaut, keine Ahnung was da so lustig ist. Um meine allerletzten Rubel loszuwerden, ziehe ich an einem Automaten ein PĂ€ckchen russisches Beef Jerky, ich weiss nicht was ich mir dabei gedacht habe.

Wir starten halbwegs pĂŒnktlich und nach ca. 2,5 ereignislosen Stunden lande ich in Schönefeld. Rein in die S-Bahn und ab nach Hause. SpĂ€ter hole ich Maggie ab und dann auf die Couch!

St. Petersburg 4

Eine letzte Aktion bleibt noch, der Besuch des Arktis- und Antarktismuseums. Das kleine, aber sehr gut gemachte Museum ist in einer ehemaligen Kirche untergebracht und liegt nur ein paar Fussminuten von meinem Hostel entfernt. Auf die Gefahr dass ich mich wiederhole: auch hier ist fast alles nur auf Russisch beschriftet. Hat das in der Eremitage wenig gestört, ist es hier Ă€rgerlich, denn ich kann so die Bedeutung der meisten AusstellungsstĂŒcke nur erahnen. GefĂ€llt mir trotzdem.

Ich wollte danach eigentlich nochmal einen Spaziergang den Nevski Prospekt entlang machen, allerdings regnet es in Strömen als ich rauskomme, deswegen erklĂ€re ich meinen Urlaub an dieser Stelle fĂŒr beendet. Ich besorge lediglich noch in einem Souvenirladen ein paar Mitbringsel und verbringe den Rest des Tages im Hostel, wo ich Fotos und Aufzeichnungen sortiere, packe und ein paar letzte russische Biere auf eine gelungene Reise trinke.

Ich hatte geplant, heute Abend zum Abschluss nochmal gut essen zu gehen, kriege aber den Arsch nicht mehr hoch. Ich spare mir die Kosten und beschliesse, mir dafĂŒr morgen Abend zuhause eine Tonne Sushi zu bestellen.

St. Petersburg 3

Und weiter gehts. Da meine Zeit hier sehr begrenzt ist, musste ich im Vorfeld bei der Auswahl der Aktionen sehr selektiv vorgehen. Ich habe mich fĂŒr den Katharinenpalast samt zugehörigen Park entschieden, obwohl der ein wenig ausserhalb liegt, dafĂŒr bekomme ich das legendĂ€re Bernsteinzimmer zu sehen.

Die Anreise ist ein wenig holperig, ich weiss dass ich ab der Metrostation Kupchino den Linienbus nr. 186 nehmen muss, steige aber erstmal in die falsche Richtung ein. Das merke ich erst, als mich die resolute Kassiererin an der Endstation rausschmeisst. 10 Minuten spĂ€ter fahre ich dann in die richtige Richtung, weiss aber nicht, wo ich aussteigen muss und sehe den Palast erst, als wir lĂ€ngst an der Haltestelle vorbei sind, was mir dann nochmal ca. 10 Minuten Fußmarsch einbringt.

Es hat sich aber gelohnt, der Palast ist toll. Alle mĂŒssen sich zuerst Überzieher fĂŒr die Schuhe anziehen, dann gehts los. Die RĂ€ume, die man besichtigen darf, sind wieder einmal unverschĂ€mt prunkvoll, zudem wenn man bedenkt, dass das lediglich ein Landsitz der Zarenfamilie war. Höhepunkt natĂŒrlich das restaurierte Bernsteinzimmer, in dem man nicht fotografieren darf. Ein paar Aufnahmen schiesse ich trotzdem aus der HĂŒfte.

Mittlerweile regnet es, so dass ich mir den zugehörigen Park schenke, zurĂŒckfahre und die Zeit nutze, nochmal die Eremitage zu besuchen. Allerdings laufe ich nur noch zwei Stunden mehr oder weniger uninspiriert durch die Gegend. Die komplette Skulpturen-Abteilung hatte ich gestern ausgelassen, so interessant ist das fĂŒr mich auch nicht, lustig finde ich die Tatsache, dass ein nicht unbedeutenderTeil der mĂ€nnlichen Skulpturen kastriert ist. Es gab angeblich irgendwann mal einen Papst, der zum Bildersturm, oder vielmehr Penissturm aufgerufen haben soll, allerdings konnte ich keine Belege dafĂŒr finden. Bleibt die Frage, ob die Dinger abgebrochen sind, oder mutwillig entfernt wurden.

Ich quĂ€le mich dann noch durch eine Sonderausstellung zum Thema altes Ägypten, aber fĂŒr heute reicht es mir danach. Es scheint wieder die Sonne, aber ich kann mich nicht mehr zu irgendwelchen AktivitĂ€ten ĂŒberwinden, die zwei Tage mit einer Überdosis Kunst haben mich geschafft.

St. Petersburg 2

Da ich gestern mehr oder weniger nichts gemacht habe, bin ich heute fit und bereit fĂŒr den ersten Museums-Tag. Die Eremitage ist mit ihren 5 GebĂ€uden eines der grĂ¶ĂŸten Kunstmuseen der Welt, die ca. 60.000 Exponate verteilen sich auf mehr als 350 SĂ€le. Abgesehen von den Sammlungen, die archĂ€ologische Funde, Objekte zur Russischen Geschichte und vor allem GemĂ€lde und Skulpturen beinhalten, sind auch die RĂ€umlichkeiten selbst mehr als sehenswert, vor allem natĂŒrlich der Winterpalast.

Ich bin pĂŒnktlich zur Öffnung um 10:00h da, dank des per Internet vorbestellten Tickets muss ich auch nicht anstehen und ich starte mit der archĂ€ologischen Abteilung im Erdgeschoss. Das ist schonmal toll, es geht los mit urzeitlichen Funden von Faustkeilen usw. und reicht bis ins Mittelalter, besonderer Fokus natĂŒrlich auf den Russischen Vorfahren, die Urvölker Sibiriens haben z.B. eine eigene Abteilung.

Wie bei allen besuchten Museen bisher ist auch hier sehr wenig auf Englisch beschriftet, heute ist mir das aber nicht so unrecht, sonst wĂŒrde ich nĂ€mlich noch lĂ€nger fĂŒr alles brauchen. Die InformationsfĂŒlle ist schon alleine durch das Anschauen groß genug. Ich bewege mich dann in den ersten Stock des Winterpalastes zu den GemĂ€ldegalerien, wo ich mich zu meinem eigenen Erstaunen ewig aufhalte.

Ich bin ja bekennender Kunstbanause, das heisst ich habe wenig bis keine Ahnung von Kunst und Kunstgeschichte, kenne zwar einige Namen, aber das wars auch schon. Trotzdem schaue ich mir gerne alte GemĂ€lde an und ausserdem bin ich ein großer Freund der durchgeknallten Werke von Hieronymus Bosch und den anderen niederlĂ€ndischen/flĂ€mischen Stechapfelkonsumenten wie die Brueghels, Jan Mandyn usw.

Logischerweise halte ich mich also am lÀngsten in den Abteilungen NiederlÀndische und FlÀmische Maler auf, alles andere schaue ich mir aber zumindest im Vorbeigehen an. Das alles ist so riesig, ich verirre mich trotz nummerierter SÀle und Plan mehr als einmal und lande dann irgendwo wo ich noch nicht war. Egal, ich mache weiter und stelle wieder einmal fest, dass ich mit der Kunst des 19. und besonders des 20. Jahrhunderts nicht viel anfangen kann. Damit ist das 2. OG schnell erledigt.

Wie vorausgesehen habe ich gegen 16:00h trotz mehrerer Pausen in den diversen Cafes des Museums genug und ich stolpere nach draussen. ZurĂŒck im Hostel schlafe ich glatt ein, wache aber zwei Stunden spĂ€ter wieder auf weil ich Hunger habe. In einem kleinen Laden um die Ecke esse ich einmal mehr Pelmeni, dann gibt es noch ein paar Gute-Nacht-Biere und das wars.

St. Petersburg 1

Wie angekĂŒndigt mache ich heute Pause, ich schlafe aus (zum ersten Mal auf dieser Reise liege ich auf einer nicht komplett durchgelegenen Matratze), wasche WĂ€sche und gammele rum. Was mir dann am Nachmittag aber wieder langweilig wird und so marschiere ich noch ein paar Stunden ziel- und planlos durch die Gegend und schiesse ein paar Fotos.

Um die Ecke vom Hostel finde ich das Erotik-Museum, wo man unter anderem angeblich Rasputins Penis ausstellt. Da ich aber aus gut unterrichteten Kreisen weiss, dass es sich dabei nicht um den legendÀren Schwengel des Mönches, sondern um eine Seegurke handelt, verzichte ich auf den Besuch.

Morgen steht dann die Eremitage an, ich hab vorsichtshalber ein Zwei-Tages-Ticket besorgt, weil ich weiss dass ich unmöglich einen kompletten Tag vom Morgen bis zum Abend in einem Museum verbringen kann, irgendwann tun dann nĂ€mlich die FĂŒsse und der Kopf weh. Die Eremitage ist allerdings so groß, dass man genau das machen mĂŒsste, um wenigstens das wichtigste zu sehen, also verteile ich die Sache auf zwei Tage.

Moskau – St. Petersburg

Ich schaffe es dann doch, zumindest ein paar Stunden zu schlafen und wache tatsĂ€chlich genau 2 Minuten vor dem Wecker auf. Im Hostel ist alles ruhig, meine Zimmernachbarn mĂŒssen sich ordentlich zugerichtet haben, die TĂŒr steht auf und das Licht brennt, von oben tönt Schnarchen. Ich mache das Licht aus und die TĂŒr zu, aus dem Bett kommt ein gegrunztes ‚Thank you‘.

Als ich dann gegen 6:00h aus dem Haus gehe, stelle ich fest, dass der Arbat blitzblank geputzt ist, die Stadtreinigung war schon da. Ausser ein paar Schnapsleichen sehe ich kaum Leute, in der Metrostation ist dann etwas mehr los. In der Bahn finde ich ausschliesslich nĂŒchterne Menschen auf dem Weg zur Arbeit vor, die Saufnasen sind offensichtlich schon alle zuhause.

Der Weg nach St. Petersburg ist dann schnell und schmerzfrei, der Flug ist mit einer guten Stunde der kĂŒrzeste meiner Reise und ich finde mich gut zurecht. Eine halbe Stunde Busfahrt und 8 Metrostationen spĂ€ter stehe ich vor meinem Hostel, welches, man glaubt es nicht, ein Schild am Eingang hat. Nach Einchecken und einer Dusche mache ich mich gleich auf den Weg, heute scheint noch die Sonne, was sich ab morgen Ă€ndern soll, das will ich ausnutzen.

Ich gehe vom Hostel aus den Nevski-Prospekt entlang Richtung Newa und bin sofort begeistert. St. Petersburg wird oft als die schönste Stadt der Welt bezeichnet, zumindest ist es eine der schönsten StĂ€dte, die ich bisher gesehen habe und ĂŒbertrifft Moskau locker. Ich ĂŒberlege, wie man den Eindruck der Stadt beschreiben könnte und komme zu der Definition, dass St. Petersburg so aussieht, wie sich jemand Paris vorstellt, der noch nie dort war. Ein GebĂ€ude entlang des Nevski Prospekt ist schöner als das andere, in der Ferne sehe ich den spitzen goldenen Turm der AdmiralitĂ€t.

Meine Runde fĂŒhrt mich dann zum Palastplatz mit den GebĂ€uden der Eremitage, von dort aus ĂŒberquere ich zuerst einen Arm der Newa, an der UniversitĂ€t vorbei und dann den anderen Arm zur Peter-und-Paul-Festung. Danach bin ich erstmal bedient, ich fahre mit der Metro zurĂŒck, besorge mir in einem Supermarkt Abendessen und verdaue das Gesehene. Ich merke, dass so langsam die Luft raus ist, ich kann nicht mehr allzuviel aufnehmen, was ich extrem schade finde, denn hier gibt es so unglaublich viel zu sehen. Ich beschliesse zum einen, morgen einen Ausruhetag einzulegen, da montags sowieso alle Museen geschlossen haben und zum anderen, mich nicht zu stressen und einfach nochmal wiederzukommen.

Moskau 4

Heute, an meinem letzten Tag in Moskau, ist nationaler Feiertag. Man feiert den 70ten Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, schon seit meiner Ankunft vor vier Tagen ist man ĂŒberall damit beschĂ€ftigt, BĂŒhnen aufzubauen und die Feierlichkeiten vorzubereiten. Das ist ein große Sache fĂŒr die Moskauer, viele Leute, jung und alt, laufen mit Baretten auf dem Kopf rum, fast jeder hat zumindest einen kleinen Anstecker oder eine Schleife an der Kleidung.

Die Senioren haben sich besonders herausgeputzt, ich sehe viele Veteranen in ordenbehĂ€ngten Uniformen, viele Omas haben Plakate mit Fotos ihrer im Krieg gefallenen Angehörigen dabei. Die Stimmung ist aber eher Volksfest als Trauer um die Gefallenen, schon frĂŒh am Morgen ist auf dem Arbat die Hölle los. Um dem Trubel zu entkommen, fahre ich heute zuerst in den Kolomenskoje-Park. Das ist eine alte Zarenresidenz, heute ein weitlĂ€ufiger Park, auf dem diverse Kirchen und andere historische GebĂ€ude stehen. Unter anderem ein Holzhaus, in dem Peter der Große ein paar Wochen lang in Archangelsk den Bau seiner Flotte beaufsichtigt hat. Das komplette Haus wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts abgebaut und nach Moskau transportiert.

Noch opulenter ist der Holzpalast des Zaren Aleksej Michajlovich, der erst vor einigen Jahren wieder neu aufgebaut wurde, nachdem Katharina die Große das Original im Jahre 1768 abreissen lies, weil das Holz morsch war. Allerdings lies sie den Palast vorher noch vermessen, weil sie vorhatte, das Ding als Modell wieder errichten zu lassen. Was nicht passiert ist, aber anhand der damals erhobenen Daten konnte der Palast jetzt rekonstruiert werden. Auf eine Besichtigung verzichte ich, die Schlange ist mir zu lang.

Auf dem RĂŒckweg beschliesse ich spontan, in den Zoo zu gehen. Da an den Kassen keinerlei Schlangen sind, gehe ich davon aus, dass wenig los ist. Ein Fehler, die sind nĂ€mlich alle schon da. Das GelĂ€nde ist dermassen voll, dass ich nach einer halben Stunde wieder verschwinde und die 500 Rubel als Verlust abschreibe.

Mittlerweile ist es frĂŒher Abend, ich fahre Richtung Hostel, setze mich in ein Cafe am Arbat und schaue dem Treiben zu, irgendwann wechsele ich ins Hardrock Cafe, welches direkt gegenĂŒber vom Hostel liegt und esse einen mörderischen Burger.  Das wars dann auch schon fast fĂŒr heute, ich spaziere noch einmal Richtung Roter Platz, gebe aber auf halbem Weg auf, da das GedrĂ€nge immer schlimmer wird. Ich muss morgen um 5:30h aufstehen, da mein Flug nach St. Petersburg um 8:30h startet und ich eine knappe Stunde bis zum Flughafen brauche, befĂŒrchte aber, dass es nichts wird mit der Nachtruhe: Das Hostel ist bis auf den letzten Platz voll und alle sind am Feiern.

So kommt es dann auch, die komplette Nacht hindurch herrscht stĂ€ndiges Kommen und Gehen, dann kotzt jemand, dann streitet sich ein PĂ€rchen, dann meint jemand, dass er um 2h noch duschen muss, usw. usw. Ich nehme es leicht, schliesslich war das zu erwarten und wenn ich rummeckere gibts höchstens was auf die Schnauze fĂŒr mich, also mache ich das Beste aus der Situation: Ich besorge mir einen Biervorrat und verbringe die Nacht mit Trinken und Russland-Dokus auf Youtube-Schauen.

Moskau 3

Es ist immer noch das beste Wetter was ich mir wĂŒnschen kann, deswegen fahre ich heute frĂŒh erstmal in den Botanischen Garten, lege mich auf eine Wiese, lese, lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen und höre dem Froschkonzert im angrenzenden Teich zu.

SpĂ€ter fahre ich eine Station zurĂŒck zur sogenannten ‘Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft’. Das ist ein riesiges GelĂ€nde mit verschiedenen GebĂ€uden, Pavillons genannt, in denen zu Sowjet-Zeiten die technischen, landwirtschaftlichen und kĂŒnstlerischen Errungenschaften des Kommunismus prĂ€sentiert wurden. Heute ist das ganze ein MessegelĂ€nde und gleichzeitig ein Freizeitpark fĂŒr die Moskauer. In den Pavillons befinden sich Ausstellungen und Restaurants, es gibt zwei große Springbrunnen, Fressbuden und einiges mehr.

Auf dem GelĂ€nde steht neben einer Wostok-Rakete die RaumfĂ€hre Buran. Von diesem Russischen Pendant des Space Shuttles existieren zwei Exemplare, eines davon war ein einziges Mal fĂŒr einen unbemannten Testflug im All, bevor Russland das extrem kostspielige Projekt 1993 eingestellt hat. Ich vermute, dass es sich hier um keines der Originale handelt, ist trotzdem beeindruckend und ganz schön groß das Ding. Betreten darf man die RaumfĂ€hre leider nicht.

Nach mehreren Stunden habe ich genug und mache fĂŒr heute Schluss. Im Hostel ist ausnahmsweise Ruhe und ich schlafe gut und lange. Das letzte Mal fĂŒr Moskau, aber das weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Moskau 2

Heute vormittag steht eine Aktion an, auf die ich mich besonders freue, der Besuch des Kosmonautenmuseums. Das Museum ist im Sockel einer riesigen Skulptur untergebracht, die eine Rakete auf dem Weg ins All darstellt. Dazu stehen in einem zugehörigen Park DenkmĂ€ler fĂŒr alle möglichen Russen, die sich im Weltraumprogramm ausgezeichnet haben. Das Museum selbst ist großartig, leider gibt es sehr wenige ErklĂ€rungen auf Englisch. Ich sehe Nachbauten des Sputnik, verschiedener anderer Satelliten, des Lunochod, das Basismodul der Mir ist in OriginalgrĂ¶ĂŸe nachgebildet und darf betreten werden und unzĂ€hlige weitere AusstellungsstĂŒcke. Ich bin in meinem Element und merke erst als ich wieder rauskomme, dass ich mehr als drei Stunden in dem Museum verbracht habe.

Nach der obligatorischen Siesta im Hostel, diesmal ohne NebengerĂ€usche, starte ich am Nachmittag zum nĂ€chsten Programmpunkt, dem Siegesmonument mit dem zugehörigen Museum des Großen VaterlĂ€ndischen Krieges. Wie alles in der Stadt ist auch diese Anlage monumental. Die Ausstellung ist sehr ausfĂŒhrlich und interessant, leider ist auch hier wieder fast alles nur auf russisch beschriftet. Passend zum Thema gibt es im Keller einen großen Laden, in dem die patriotischen Eltern fĂŒr ihre Kinder alle möglichen Spielzeugwaffen kaufen können.

Ich habe noch Zeit und deswegen fahre ich nochmal Richtung Roter Platz, um das Kaufhaus GUM zu besuchen. Zu Sowjet-Zeiten war das ein großes Kaufhaus, in dem sich die besssergestellten Moskowiter mit Lebensmittel versorgen konnten, heute ist es eine Art russisches KaDeWe, allerdings geschĂ€tzt 10mal so groß wie das berliner Pendant. Auf drei Etagen und in drei langen GĂ€ngen findet sich hier alles was international einen Namen hat. Eine unglaubliche Zurschaustellung von Reichtum, das Publikum ist genauso wie man es erwartet: dicke, sonnenbebrillte ‘Bisnesmen’ in DesigneranzĂŒgen mit den zugehörigen Blondinen mit aufgespritzten Lippen und Titten. Ekelhaft. Als ich es wage, mit meinen Touri-Klamotten einen Feinkostladen zu betreten, werde ich vom Personal angewidert betrachtet und nicht aus den Augen gelassen, als könnte ich ein paar Austern klauen.

ZurĂŒck im Hostel beschliesse ich, mir heute was zu gönnen. Ich habe mir diesmal ein paar Klamotten mitgebracht, die mich nicht auf den ersten Blick als Touri zu erkennen geben. Ich werfe mich also in Schale und besuche eines der exklusiven Restaurants auf dem Arbat, wo ich interessanterweise fĂŒr ein 0,3er Bier fast genausoviel bezahle, wie fĂŒr meine Hauptspeise. Ich entscheide mich fĂŒr Schweinelende mit verschiedenen GemĂŒsen und jungen Kartoffeln in Chilisauce. Die Portion ist, dem Status des Restaurants entsprechend, sehr ĂŒbersichtlich, es schmeckt aber ausgezeichnet und ich habe meinen persönlichen Ober, der mir extra einen Hocker hinstellt, damit ich meine Tasche nicht auf den Boden stellen muss. Über den Preis schweige ich, wobei es tatsĂ€chlich nicht ganz so teuer wird wie ich erwartet hatte.

Moskau 1

In der Nacht bleibe ich von weiteren Ruhestörungen verschont, gegen 8h stehe ich auf und mache mich auf den Weg zum Roten Platz. Der ist allerdings komplett abgesperrt, denn am Samstag feiert man den 70ten Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und es ist eine große Parade geplant. Diese zu besuchen ist nicht möglich, da nur geladene GĂ€ste aus internationaler Politik sowie MilitĂ€r und Veteranen teilnehmen dĂŒrfen. Angeblich hat man sogar den kleinen Dicken aus Nordkorea eingeladen, der hat aber abgesagt. Vielleicht leidet er ja auch an Flugangst wie sein Opa.

Ich laufe einmal um den Kreml und komme genau rechtzeitig zur Öffnung der Kassen am Eingang an. Da ich so einer der ersten bin, die reinkommen, kann ich noch ein paar schöne Fotos schiessen, bevor alles voller Touristen ist. Ich besuche dann die sog. RĂŒstkammer, die allerdings weniger Waffen enthĂ€lt, dafĂŒr die grĂ¶ĂŸte, unverschĂ€mteste und abartigste Sammlung von Gold , Silber und Juwelen ist, die ich jemals gesehen habe. Man spĂŒrt förmlich, wie die Zaren, der Adel und die Pfaffen das Volk bis aufs Blut ausgesaugt haben mĂŒssen, um diesen unglaublich schönen und gleichzeitig widerlichen Reichtum zu schaffen.

Danach laufe ich rum, schaue mir die verschiedenen Kirchen an, sehe die Zarenkanone, aus der genau einmal geschossen wurde und die Zarenglocke, 200 Tonnen schwer, die nicht ein einziges Mal gelĂ€utet hat. Der komplette Kreml mit den GebĂ€uden und Kirchen ist unglaublich schön, so wie eigentlich die gesamte Innenstadt, Moskau ist eine der schönsten StĂ€dte, die ich bisher besucht habe. Das großartige Wetter trĂ€gt dazu bei, fĂŒr meinen kompletten Aufenthalt ist ausschliesslich Sonnenschein gemeldet.

Nach mehreren Stunden Kreml bin ich erstmal bedient und mache Station im Hostel, was ich die weiteren Tage beibehalten werde. Ich bin ein alter Mann. Am Nachmittag fahre ich dann zum Gorki Park und laufe erstmal in den Norden, wo ich einen Skulpturenpark finde, ausserdem das monströse Denkmal fĂŒr Peter den Großen. Danach laufe ich Richtung SĂŒden einmal durch den gesamten Park, der, wie alles was ich bisher gesehen habe, extrem sauber ist. Auch hier sind wieder Bereiche abgesperrt in Vorbereitung auf die große Siegesfeier am Samstag. Die komplette Stadt ist im Hinblick auf den Tag beflaggt, ĂŒberall verkaufen StrassenhĂ€ndler Fahnen, T-Shirts, MilitĂ€rmĂŒtzen usw. Man gibt sich sowieso sehr patriotisch, ich weiss halt nicht, ob das nur wegen des Jahrestages so ist, oder der Normalzustand. Sollte mich jedenfalls am Samstag jemand fragen, bin ich Schweizer. Überall findet man auch StĂ€nde von Putins Partei, wo man T-Shirts kaufen kann, die den modernen Zaren in allerlei martialischen Posen zeigen, das ist traurig und lustig zugleich.

Ich versuche auf meinen Reisen ja immer, mich selbst zu versorgen, hier ist das schwierig, da zum einen das Hostel keine KĂŒche besitzt und es ausserdem nirgendwo sowas wie einen Supermarkt gibt, lediglich an einigen kleinen Kiosken kann man Lebensmittel kaufen. Heute abend bin ich faul und da es hier am Arbat nur sauteure Restaurants gibt, lande ich schliesslich bei Mc Donalds. ZurĂŒck ins Hostel. Musste ich letzte Nacht noch das permanente Kichern einer Gruppe Teenager unterbinden, darf ich heute meinen Nachbarn bei der Paarung zuhören. Bei allem Respekt vor der Ausdauer des Typen, irgendwann reicht es mir und ich brĂŒlle rĂŒber, dass sie jetzt entweder aufhören, oder mich mitmachen lassen. Danach ist Ruhe.