Wacken 2014 – Samstag

Es zeigt sich, dass die Tatsache, dass der VIP-Campingbereich so weit weg ist, eine gute Sache ist, es ist nĂ€mlich angenehm ruhig und so schlafe ich ausgezeichnet und werde gegen 8:00h auch nur deswegen wach, weil ich gestern in meinem besoffenen Kopf die falsche Seite des Autos abgehangen habe und mir die Sonne genau ins Gesicht scheint. Der Kater hĂ€lt sich aber in Grenzen und auch die Schlange vor den (unerwartet sauberen) Duschen ist kurz, also bin ich kurz darauf sauber und bereit fĂŒr den Tag.

Um 11h gehts los, Arch Enemy auf der HauptbĂŒhne, von denen ich aber nur den Anfang mitbekomme, da auf der kleineren Party Stage Prong spielen. Dort ist relativ wenig los, was die New Yorker nicht davon abhĂ€lt, einen großartigen Gig hinzulegen. Tommy Victor, der bis auf seinen Bart noch genauso aussieht wie vor 20 Jahren, ist gut aufgelegt und wir bekommen einen Mix aus Klassikern und Songs des aktuellen Albums ‚Ruining Lives‘. Die zweite Gitarre fehlt bei den ‚Cleansing‘ – Songs schon, macht aber nichts, Band und Publikum haben Spass und bei ‚Snap your Fingers, Snap your Neck‘ gibts einen niedlichen Circlepit mit vielleicht 10 Teilnehmern.

Danach gehts gleich weiter mit Sodom, die ich ebenfalls noch nie gesehen hab. Sodom nĂŒchtern geht nicht, deswegen kippe ich mir in kĂŒrzester Zeit vier Bier rein und habe das nötige Level. Der Einstieg mit ‚Agent Orange‘ wird leider durch den absolut grottigen Sound vermiest, es wird nach ein paar Songs aber besser. Die Setlist ist gut, ein schöner Mix aus Altem und Neuem, auf das unsĂ€gliche ‚Bombenhagel‘ wird zum GlĂŒck verzichtet. Tom fĂŒhrt mit sympathischem Ruhrpott-Charme durch das Set, bei ‚Ausgebombt‘ darf irgendein Nachwuchs-Gitarrist aus Australien mitzocken. Tom dankt dann noch dem lieben Gott (!) dafĂŒr, dass Lemmy wieder fit ist, lĂ€dt alle Zuhörer zum Mitsaufen an irgendeinem Stand ein und das wars.

Das Bier habe ich zu diesem Zeitpunkt lĂ€ngst wieder ausgeschwitzt und ich beschliesse, nach Emperor zurĂŒckzufahren. Ich wĂŒrde ja gerne Kreator sehen, aber die fangen erst nach Mitternacht an und bis dahin interessiert mich nur noch Amon Amarth. Die sind ja sowieso jedes Jahr in Deutschland unterwegs, kann ich also jederzeit nachholen. Die Aussicht auf eine staufreie Heimreise und auf mein Bett ist zu groß.

Die letzte Aktion ist also der Emperor-Gig. Die Band existiert ja schon seit 2001 nicht mehr, hat seit 2005 sporadisch Gigs gespielt, monetĂ€re GrĂŒnde mögen dabei eine Rolle spielen, ist mir aber egal. Dieses Jahr feiert man das 20jĂ€hrige JubilĂ€um des DebĂŒts ‚In the Nightside Eclipse‘ und tourt diverse Festivals in Europa mit dem original-Drummer (und verurteilten Mörder) Faust am Schlagzeug. Das komplette Album wird chronologisch durchgespielt und als Zugabe gibts ein paar Songs der ‚Wrath of the Tyrant‘ – EP von 1992.

Das Songmaterial ist unantastbar genial, es ist nicht zu fassen, dass die Musiker, damals gerade mal um die 18 Jahre alt, solche Kompositionen aus dem Ärmel geschĂŒttelt haben. 20 Jahre spĂ€ter spielen sie das Zeug natĂŒrlich mal eben so locker aus dem Handgelenk, was nicht weniger beeindruckend ist und es stehen diverse Zuschauer bewegungslos mit offenem Mund da, das sind dann die Musiker im Publikum… Der einzige Kritikpunkt ist Faust, der hat nĂ€mlich einige Probleme mit den Doublebass-Parts, die sind doch teilweise etwas schief. HĂ€tte er mal keine 10 Jahre im Knast gesessen.

Das tut dem Konzert aber keinen Abbruch, die Songs sind wie gesagt göttlich und nach dem Bathory-Cover ‚A Fine Day To Die‘ ist Schluss. Ich mache mich dann auch gleich auf den Weg, bin gegen 23:00h zuhause und kann frisch geduscht den Kreator-Gig auf Arte sehen. Die Essener legen das komplette Infield in TrĂŒmmer und es tut mir dann schon leid, dass ich das nicht vor Ort miterleben kann. Als ich spĂ€ter dann sauber im eigenen Bett liege, tut es mir nicht mehr so leid.

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