Tokio 3

Manche Leute wundern sich, wo meine Begeisterung fĂŒr Museen herkommt, dabei ist das ganz einfach: ich verreise ja deswegen so gerne, weil es mich interessiert, wie Menschen in anderen LĂ€ndern leben, was sie essen, trinken, woran sie glauben, wie sie ihren Alltag meistern, etc. Wissenschaftlich betrachtet könnte man also sagen, ich sammele auf Reisen Informationen und genau das sind Museen, gesammelte Informationen zu einem bestimmten Thema.

Lange Vorrede, heute schaue ich mir das Biermuseum und das Ramen-Museum an. Wie sich herausstellt ist das Biermuseum ein Reinfall. Das ganze ist eine Werbeveranstaltung der Yebisu-Brauerei und dazu gibts die FĂŒhrung nur in Japanisch. Die Dame am Empfang ist aber ehrlich genug, mir zu sagen, dass es sich deswegen fĂŒr mich nicht lohnt. An dem GebĂ€ude allerdings hĂ€ngt eine riesige Schwarzwalduhr mit dem Thema Oktoberfest, alleine dafĂŒr hat sich die Anfahrt schon gelohnt. Außerdem finde ich lecker FrĂŒhstĂŒck in einer japanisch-französischen BĂ€ckerei im Bahnhof.

Weiter gehts dann nach Yokohama zum Ramen-Museum, welches zwar lustig ist, man sich aber auch sparen kann. Im Erdgeschoss gibt es Infos zur Geschichte der Ramen-Nudeln, der Verbreitung von Ramen-Restaurants weltweit und jede Menge Merchandise zu kaufen. Das komplette Untergeschoss ist in eine Strassenszene verwandelt, die aussieht, wie man sich Tokio oder von mir aus Shanghai in den 50ern vorstellt. In der Mitte sind Tische und BĂ€nke, rundum gibt es kleine Restaurants, in denen es 1000 verschiedene Ramen-Varianten gibt. Schön kitschig und ich hĂ€tte gerne auch was gegessen, allerdings muss man an Automaten bestellen und es gibt keinerlei englische Infos und auch keine Fotos der Gerichte. Bevor ich mir also auf gut GlĂŒck was bestelle und dann irgendwelches Glibberzeugs drin habe, verzichte ich lieber.

Ich verbuche den Tag als Teilausfall und fahre zurĂŒck ins Hotel. Macht nichts, ich bin sowieso total mĂŒde, da ich die ganze Nacht wachgelegen und gerade mal drei Stunden geschlafen habe. Ich scheine noch nicht in der hiesigen Zeitzone angekommen zu sein. Ich werde heute ruhig machen und morgen so frĂŒh wie möglich auschecken und zum Fuji fahren. Aktuell regnet es wieder, aber fĂŒr morgen sind wieder 30° und Sonne angesagt.

Ich schlafe zwei Stunden und mache mich spĂ€ter am Abend nochmal auf den Weg und besorge mir im Japan Rail Office meinen Railpass. Gekauft hatte ich den schon von zuhause per Internet bei einer Agentur in Köln, aber man bekommt dann nur einen Voucher, den man in Japan gegen den eigentlichen Pass eintauschen muss. Ich beschliesse, den Starttag des Passes auf ĂŒbermorgen zu legen. Zum Fuji komme ich morgen relativ gĂŒnstig mit dem Bus, so dass ich den Pass dann erstmals fĂŒr die Fahrt nach Kyoto nutzen werde.

Danach setze ich mich in eine winzige Bar um die Ecke vom Hotel namens Airborne. Es gibt lediglich 7 PlĂ€tze an dem Tresen, es lĂ€uft angenehme Barmusik und man darf rauchen. Ich kippe ein paar Bier vom Fass und esse ‚Japanese Fried Chicken‚, was sich als selbstgemachte Chicken Nuggets entpuppt und nichts besonderes, aber essbar ist. Die Köchin macht mir Komplimente zu meinen Tattoos und meiner Frisur und erklĂ€rt mir mit Hilfe einer Übersetzungs-App, ich sehe aus wie ein Mitglied einer japanischen Rockband, deren Namen ich leider vergessen habe. Nice.

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