Nagoya

als um 6:30h der Wecker klingelt, sehe ich drau├čen blauen Himmel, das weckt mich trotz wenig Schlaf auf. Ich mache mich in Rekordzeit fertig und schaffe es so, noch das Fr├╝hst├╝ck im Hotel mitzunehmen und trotzdem Punkt 7:56h in den Shinkansen nach Shin-Kobe zu fallen. Die Fahrt nach Nagoya dauert mit einmal umsteigen knapp 5 Stunden, ich habe also eine Menge Zeit, mir zu ├╝berlegen, wo ich noch hin will. Ich bin ein wenig unschl├╝ssig, denn ich habe morgen nochmal knapp 6 Stunden Zugfahrt bis Kakunodate vor mir und von dort aus w├Ąre es nochmal so lange bis Sapporo, was bedeuten w├╝rde, dass ich dann zur├╝ck nach Tokio gut 8 Stunden brauchen w├╝rde. So angenehm das Fahren in den Shinkansen ist, ich m├Âchte nat├╝rlich lieber was sehen als so lange im Zug zu sitzen und dummerweise fahren die Dinger nicht ├╝ber Nacht. Andererseits, genau daf├╝r habe ich den Railpass ja gekauft und ich m├Âchte Sapporo gerne sehen (nicht nur wegen der gleichnamigen Brauerei), also werde ich die Entscheidung davon abh├Ąngig machen, ob ich dort ein sch├Ânes und g├╝nstiges Hotel finde.

Nagoya ist nichts Besonderes und hat keine besonderen Sehensw├╝rdigkeiten zu bieten, ich habe die Stadt nur deswegen gew├Ąhlt, weil sie (die Fahrzeit betrachtet) die Strecke nach Kakunodate halbiert und auf einem Drittel der Strecke nach Sapporo liegt. Aber es gef├Ąllt mir hier. Ich bringe schnell mein Zeug ins Hotel und marschiere los, nach dem Gammeltag gestern ist mir heute nach laufen. Ich gehe mehr oder weniger die Strecke zur├╝ck zum Bahnhof, die ich auf dem Weg zum Hotel mit der Bahn zur├╝ckgelegt habe. Unterwegs sehe ich jede Menge lustiger Dinge: zuerst stolpere ich bei dem Fernsehturm in eine Art Volksfest, es stehen ├╝berall Fressbuden rum, es gibt einen Flohmarkt und auf einer B├╝hne spielt eine Band. Ich kaufe mir an einem Stand was zu essen, ich weiss nicht was es ist, aber es sieht lecker aus und entpuppt sich als eine Art herzhafter Pfannkuchen, gef├╝llt mit Nudeln, Kohl und irgendwelchem Fleisch, oben liegt ein Spiegelei drauf. Ich finde sp├Ąter raus, dass sich das Ding Okonomiyaki nennt. Geschmeckt hat es jedenfalls.

Direkt neben dem Fernsehturm befindet sich der Busbahnhof ‚Oasis 21‚, ein futuristisches Geb├Ąude, das aussieht wie ein Ufo, das oberste Deck des Ufos ist begehbar und durch das Wasser des Springbrunnens in der Mitte kann man gesch├Ątzt 30 Meter nach unten blicken, sehr sch├Ân. Ich gehe weiter und lande mitten in einem Umzug. Ich habe keine Ahnung um was es geht, aber es ist voll, laut, bunt und lustig. In etwa wie ein japanischer Karneval der Kulturen. Auf Mickey Mouse folgen Samurais, gefolgt von musizierenden Geishas und jede Menge sonstiger Folklore bzw. Kitsch. Irgendwann bin ich wieder am Bahnhof und fahre zur├╝ck zum Hotel, wo ich mittlerweile einchecken kann. Dieses Hotel ist verh├Ąltnism├Ąssig teuer und eine Klasse besser als meine sonstigen Absteigen, war trotzdem das g├╝nstigste was ich gefunden hatte. Personal und G├Ąste mustern mich. Ich mache kurz Siesta und buche schliesslich f├╝r zwei N├Ąchte ein Hotel in Sapporo.

Am Abend fahre ich nochmal los und lande in einem Laden namens 7 Days Brew, eine ziemliche Hipster-Angelegenheit, aber die haben jede Menge internationaler Biere vom Fass, alles irgendwelche Microbreweries, das ist ja mittlerweile eine ausgewachsene Szene. Ausgewachsen sind auch die Preise, aber daf├╝r bekomme ich auch Qualit├Ąt. Ich fange an mit einem ‚Bikini Blonde Lager‘ aus Hawaii, danach merke ich, dass man auch eine Auswahl bestellen kann und ich bekomme einen kleinen Block aus Holz mit einer Auswahl von 5 Bieren in sch├Ânen Testgl├Ąsern. Das erste ist das bereits bekannte Bikini Lager, dann gibts noch Blood Orange Gose, das auch nach Orangen schmeckt, ┬áBaby Daddy Session, ein IPA aus Kalifornien, ein Porter, ebenfalls aus Kalifornien und zuletzt ein Pineapple Ale aus der Schweiz, welches nach dem Porter leider ziemlich lasch schmeckt. Dazu bestelle ich Jerk Chicken und danach reicht es mir. Ein sch├Âner Tag!

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