Moskau 4

Heute, an meinem letzten Tag in Moskau, ist nationaler Feiertag. Man feiert den 70ten Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, schon seit meiner Ankunft vor vier Tagen ist man ĂŒberall damit beschĂ€ftigt, BĂŒhnen aufzubauen und die Feierlichkeiten vorzubereiten. Das ist ein große Sache fĂŒr die Moskauer, viele Leute, jung und alt, laufen mit Baretten auf dem Kopf rum, fast jeder hat zumindest einen kleinen Anstecker oder eine Schleife an der Kleidung.

Die Senioren haben sich besonders herausgeputzt, ich sehe viele Veteranen in ordenbehĂ€ngten Uniformen, viele Omas haben Plakate mit Fotos ihrer im Krieg gefallenen Angehörigen dabei. Die Stimmung ist aber eher Volksfest als Trauer um die Gefallenen, schon frĂŒh am Morgen ist auf dem Arbat die Hölle los. Um dem Trubel zu entkommen, fahre ich heute zuerst in den Kolomenskoje-Park. Das ist eine alte Zarenresidenz, heute ein weitlĂ€ufiger Park, auf dem diverse Kirchen und andere historische GebĂ€ude stehen. Unter anderem ein Holzhaus, in dem Peter der Große ein paar Wochen lang in Archangelsk den Bau seiner Flotte beaufsichtigt hat. Das komplette Haus wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts abgebaut und nach Moskau transportiert.

Noch opulenter ist der Holzpalast des Zaren Aleksej Michajlovich, der erst vor einigen Jahren wieder neu aufgebaut wurde, nachdem Katharina die Große das Original im Jahre 1768 abreissen lies, weil das Holz morsch war. Allerdings lies sie den Palast vorher noch vermessen, weil sie vorhatte, das Ding als Modell wieder errichten zu lassen. Was nicht passiert ist, aber anhand der damals erhobenen Daten konnte der Palast jetzt rekonstruiert werden. Auf eine Besichtigung verzichte ich, die Schlange ist mir zu lang.

Auf dem RĂŒckweg beschliesse ich spontan, in den Zoo zu gehen. Da an den Kassen keinerlei Schlangen sind, gehe ich davon aus, dass wenig los ist. Ein Fehler, die sind nĂ€mlich alle schon da. Das GelĂ€nde ist dermassen voll, dass ich nach einer halben Stunde wieder verschwinde und die 500 Rubel als Verlust abschreibe.

Mittlerweile ist es frĂŒher Abend, ich fahre Richtung Hostel, setze mich in ein Cafe am Arbat und schaue dem Treiben zu, irgendwann wechsele ich ins Hardrock Cafe, welches direkt gegenĂŒber vom Hostel liegt und esse einen mörderischen Burger.  Das wars dann auch schon fast fĂŒr heute, ich spaziere noch einmal Richtung Roter Platz, gebe aber auf halbem Weg auf, da das GedrĂ€nge immer schlimmer wird. Ich muss morgen um 5:30h aufstehen, da mein Flug nach St. Petersburg um 8:30h startet und ich eine knappe Stunde bis zum Flughafen brauche, befĂŒrchte aber, dass es nichts wird mit der Nachtruhe: Das Hostel ist bis auf den letzten Platz voll und alle sind am Feiern.

So kommt es dann auch, die komplette Nacht hindurch herrscht stĂ€ndiges Kommen und Gehen, dann kotzt jemand, dann streitet sich ein PĂ€rchen, dann meint jemand, dass er um 2h noch duschen muss, usw. usw. Ich nehme es leicht, schliesslich war das zu erwarten und wenn ich rummeckere gibts höchstens was auf die Schnauze fĂŒr mich, also mache ich das Beste aus der Situation: Ich besorge mir einen Biervorrat und verbringe die Nacht mit Trinken und Russland-Dokus auf Youtube-Schauen.

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